WORTMELDUNGEN-Literaturpreis Shortlist 2020

Aus insgesamt 280 Einsendungen wurden 10 Titel von der Jury für die Shortlist nominiert. Dies ist ihre Begründung: "Unsere Auswahl umfasst zehn Kurztexte, die jeweils eine drängende Frage der Gegenwart auf formal überzeugende, komplexe und eigenwillige Weise literarisch gestalten. Es geht um aggressiv-autoritäre Tendenzen der Politik und die Festschreibung von Identität, um Diskriminierung, um die Dramatik der Flucht und die Macht digitaler Scheinwelten, um ökologischen Notstand, Kriminalität und künstliche Intelligenz, um den Antagonismus der Geschlechter und das Abrutschen in soziale Bodenlosigkeit, um das Unerhörte medialer Bilder und die gefährliche Paranoia der Gesellschaft. Die ausgewählten Texte liefern zehn Facetten eines düsteren Panoramas und wagen den ersten Schritt auf dem Weg zur Zustandsverbesserung: die Diagnose."

Hier sind alle Texte der Shortlist nachzulesen:

Nora Bossong

Die Schönheit verlorener Schildkröten

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Nora Bossong (*1982 in Bremen) schreibt Lyrik, Romane und Essays, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis, dem Roswitha-Preis und dem Kranichsteiner Literaturpreis. Zuletzt erschienen im Hanser Verlag ihr Roman 36,9° (2015) und ihre Reportage Rotlicht (2017) sowie im Suhrkamp Verlag der Gedichtband Kreuzzug mit Hund (2018) und der Roman Schutzzone (2019). Nora Bossong lebt in Berlin.

Johanna Dombois

Flüchtlingsode

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Johanna Dombois (*1967 in Berlin) lebt und arbeitet als Autorin in Köln und Athen. Sie ist Dozentin für Künstlerisch-Wissenschaftliches Schreiben an der RSH Düsseldorf. Nach einem Studium der Literatur-, Theaterwissenschaften und Kostümkunde in Berlin, Cambridge, Wien und Uppsala promovierte sie 2006 bei Peter Wapnewski über Richard Wagner und arbeitete als Dramaturgin an internationalen Opernhäusern und Medienkunstbühnen. 2012 erschien bei Klett-Cotta Richard Wagner und seine Medien (zs. mit R. Klein), das zum Buch des Jahres nominiert wurde (Kritikerpreis Opernwelt). Ihr Schwerpunkt liegt seither bei essayistischer Prosa; sie schreibt literarische Reportagen, Biografiktion sowie Kurzepik u.a. für Merkur, Spex, Die Zeit, Die Horen, Lettre International. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Gastautorenstipendium des House of Literature in Paros/ GR (2018) und dem Recherchepreis der Adamas-Stiftung Götz Hübner für interkulturelle Studien (2019). 2018 erschien bei der Kölner Parasitenpresse | Verlag für Neue Literatur ihr erster Prosaband Rettungswesen. www.jhnndmbs.net  

Ulrike Draesner

Das nichtgrünäugige Kind

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Ulrike Draesner (* 1962 in München) hat fünf Romane, zuletzt Sieben Sprünge vom Rand der Welt, sechs Gedichtbände, mehrere Erzählungs- und Essaybände sowie zuletzt das Prosastück Kanalschwimmer veröffentlicht. Sie interessiert sich für Nature und Life Writing, arbeitet mit Künstler*innen und Komponist*innen zusammen. In Oxford, Bamberg, Kiel, Biel und Frankfurt hielt sie Poetikvorlesungen. Draesner übersetzt Gedichte aus dem Englischen und Französischen und war an verschiedensten intermedialen und online-Projekten beteiligt. Seit 2018 ist sie Professorin für literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. www.draesner.de 
 

Raphaela Edelbauer

Der Suizid des Otto Weininger aus der einzig anständigen Perspektive erzählt

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Raphaela Edelbauer (*1990 in Wien) studierte Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst. Ab 2009 veröffentlichte sie in Literaturmagazinen sowie Anthologien und hatte Auftritte bei Lesungen und Literaturfestivals. Die Extremperformance Literazah hatte im Mai 2017 Premiere, mit weiteren Terminen u.a. in Berlin. Im Februar 2017 wurde ihr Debüt Entdecker bei Klever veröffentlicht und mit dem Hauptpreis der Rauriser Literaturtage für das beste deutschsprachige Prosadebüt ausgezeichnet. Sie war 2017 Stipendiatin des Deutschen Literaturfonds. 2018 nahm sie am Bachmannpreis teil und gewann den Publikumspreis; 2019 erhielt sie den Theodor-Körner-Preis. Ihr Roman Das flüssige Land erschien 2019 bei Klett-Cotta und stand auf der Shortlist für den Österreichischen und Deutschen Buchpreis. www.raphaelaedelbauer.com 
 

Andrea Grill

Menschliche Hände, Dünger und das Leben der Wasserspinne Argyroneta aquatica. Oder: Sie ist Expertin

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Andrea Grill (* 1975 in Bad Ischl) ist Schriftstellerin, Evolutionsbiologin und Übersetzerin aus mehreren europäischen Sprachen. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis (2011) und den Förderpreis der Stadt Wien (2013). Ihr jüngster Roman Cherubino gelangte auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2019. Zuletzt erschienen der Lyrikband Safari, innere Wildnis (2014), der Roman Das Paradies des Doktor Caspari (2015), der Essayband Schmetterlinge. Ein Portrait (2016) sowie das Kinderbuch Fiffy und Maurice (2019). http://m-orld.org/

Sudabeh Mohafez

Nachdenken über Wasser – eine Annäherung an Sterben im Exil

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Sudabeh Mohafez (*1963 in Teheran) lebte in Teheran, Berlin, Lissabon, Stuttgart, Schwäbisch Hall. Sie studierte Musik, Anglistik und Erziehungswissenschaften, war langjährig tätig in Nichtregierungsorganisationen zur Krisen- und Gewaltintervention. Sie ist seit 2004 freie Schriftstellerin und schreibt Romane, Kurz- und Kürzestprosa, Lyrik, Essays, Theaterstücke, Übersetzungen (Persisch, Englisch), Portraits, Reportagen. Sie ist mehrfach mit Preisen und Arbeitsstipendien ausgezeichnet. www.sudabehmohafez.de 
 

Stefan Petermann

Jakob im roten Shirt

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Stefan Petermann (*1978 in Werdau) studierte an der Bauhaus-Universität Weimar. 2009 erschien sein Debütroman Der Schlaf und das Flüstern. Aktuell ist der Reportageband Jenseits der Perlenkette und – als Herausgeber – der Bildband Bauhaus Graphic Shorts. Er erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, darunter MDR-Literaturpreis, Stipendium Schloss Wiepersdorf, Würth-Literaturpreis. Seine Erzählungen Nebenan, Der Zitronenfalter soll sein Maul halten und Die Angst des Wolfs vor dem Wolf wurden verfilmt. Er lebt in Weimar. www.stefanpetermann.de 

Kathrin Röggla

Bauernkriegspanorama

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Kathrin Röggla (*1971 in Salzburg) lebt als Schriftstellerin in Berlin. Sie veröffentlichte viele Prosabände, zuletzt Nachtsendung. Unheimliche Geschichten (2016), Essays wie Die falsche Frage. Über Theater, Politik und die Kunst, das Fürchten nicht zu verlernen (2015), zahlreiche Theatertexte, zuletzt Normalverdiener (2017), und Hörspiele, zuletzt Verfahren (WDR/BR, Januar 2020), das sich mit dem Gerichtsverfahren zu den Verbrechen des NSU auseinandersetzt. Als Kunstschaffende zwischen den Medien produzierte sie auch einen Dokumentarfilm (ZDF 2012), arbeitete installativ und kuratierte eine Ausstellung mit dem Titel Der Elefant im Raum in der Akademie der Künste (2019). Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Arthur-Schnitzler-Preis (2012) oder dem Nestroy für das beste Theaterstück (2011). Kathrin Röggla ist seit 2015 Vize-Präsidentin der Akademie der Künste in Berlin. www.kathrin-roeggla.de
 

Dorian Steinhoff

§ 1666

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Dorian Steinhoff (*1985 in Bonn) ist Deutscher und Österreicher. Er studierte Philosophie, Rechtswissenschaften und Germanistik an der Universität Trier. Seitdem arbeitet er als freier Autor und Literaturvermittler. Er veröffentlicht Prosa, schreibt für Presse und Rundfunk und entwickelt neue Formate und Strategien für Produktion, Rezeption und Reflexion von Literatur. Im mairisch Verlag erschien zuletzt der Erzählband Das Licht der Flammen auf unseren Gesichtern. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, Texte von ihm liegen übersetzt in fünf Sprachen vor. Derzeit arbeitet er an einem Roman über Täter und Opfer von Betrugskriminalität, einem Theaterstück über den Umgang mit geerbten Dingen und einer Hörspielserie, die erzählt, wie neurechtes Denken von der Agitation in den Terrorismus führt. Dorian Steinhoff lebt in Köln. www.doriansteinhoff.de 
 

Bernhard Strobel

Das Fernglas

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Bernhard Strobel (*1982 in Wien) ist Autor und Übersetzer aus dem Norwegischen. Er studierte Germanistik und Skandinavistik an der Universität Wien. Im Verlag Droschl erschienen die drei Erzählbände Sackgasse (2007), Nichts, nichts (2010), Ein dünner Faden (2015) sowie der Roman Im Vorgarten der Palme (2018). Er wurde unter anderem mit dem Outstanding Artist Award 2019, dem Floriana-Literaturpreis (3.Preis) 2018, dem Theodor-Kery-Preis 2016 und dem Förderpreis der Stadt Wien 2014 ausgezeichnet. Strobel ist Übersetzer der Autoren Tor Ulven, Jan Kjærstad und Bjarte Breiteig. Er lebt in Neusiedl am See.