Preisträger*innen

Miriam Emefa Dzah (Cambridge und Berlin), Jasmin Merkel (Berlin) und Marie Lucienne Verse (Leipzig) sind die Preisträger*innen des mit 15.000 Euro dotierten WORTMELDUNGEN-Förderpreises 2020. 

Der Preis wurde zu gleichen Teilen vergeben. In diesem Jahr war einer der Preise explizit für eine Rede ausgeschrieben. Er geht an Jasmin Merkel für ihre Rede Meine Name ist Maike Kleeberg. Die anderen beiden Preise gehen an den essayistischen Text Wach bleiben von Miriam Emefa Dzah und die Kurzgeschichte Aufschlussfiguren von Marie Lucienne Verse. Das Thema der Ausschreibung lautete: „Die Geschichte läuft wieder, nur eben rückwärts.“ Wie erobert Ihr Euch die Zukunft zurück?

„Die Jury des Wortmeldungen-Förderpreises war beeindruckt von der stilistischen und formalen Vielfalt, in der junge Autor*innen ihre dringlichen Anliegen an die Gesellschaft formuliert haben. Von der essayistischen Betrachtung über die elaborierte Rede bis hin zur klassischen Kurzgeschichte reichte die Bandbreite der eingereichten Texte, die bei aller Unterschiedlichkeit allesamt durch ihren unbedingten Willen zur Veränderung gegenwärtiger Missstände geprägt waren. Was die Texte einte, ist ihr wütender, aber nicht hoffnungsloser Blick auf ein komplexes Zeitalter.“ (Begründung der Jury)
 

Ausschnitte ihrer prämierten Texte haben die drei Preisträgerinnen in der Sendung Spätlese auf hr2 kultur gelesen, die am 05. Januar 2021 gesendet wurde. Hier gibt es die Aufzeichnung der Sendung zum Nachhören:

Sendung Spätlese vom 05.01.2021 um 22:00 Uhr auf hr2 kultur mit den Texten der WORTMELDUNGEN-Förderpreisträgerinnen 2020


Miriam Emefa Dzah

„Wach bleiben ist ein Text über die Müdigkeit: Er erzählt vom Verzweifeln an rassistischen Verhältnissen und vom Verzweifeln am weißen Blick.

Doch Miriam Emefa Dzah schreibt sich mit Selbstverständnis ein in einen neuen Kanon und befreit sich damit von Zuschreibungen; setzt Referenzpunkte, die wir selbst ergründen sollen. Das Ich will nicht mehr erklären, es will ein Erdbeben sein. Wach bleiben ist auch der Text einer Selbstermächtigung – und ist eine Utopie, der wir folgen wollen.“

(*1998 in Paderborn) lebt in Cambridge und Berlin. An der University of Cambridge studiert sie Soziologie und Politikwissenschaft. Sie ist Stipendiatin des Programms Medienvielfalt Anders der Heinrich-Böll-Stiftung und Redaktionsmitglied der Magazine Bait und Mosaic.

Wach bleiben

Jasmin Merkel

„Mein Name ist Maike Kleeberg führt mit Wucht vor Augen, was es bedeutet, ein Opfer unter vielen zu sein, eine Nummer in einem System.

So nüchtern wie eindringlich schildert Jasmin Merkel eine konkrete individuelle Erfahrung und verbindet diese mit den Statistiken zu sexualisierter Gewalt. Auf eklatante Weise entlarvt sie so die Mechanismen, durch die eine Anerkennung von weiblicher Unterdrückung und Femizid als strukturelle Probleme in der Gesellschaft verhindert werden. Eine aufrüttelnde und scharfe Rede gegen die Ignoranz, gegen Verharmlosung und Bequemlichkeit – auch in der Sprache.“

(*1991 in Oranienburg) studiert Kognitive Medienlinguistik in Berlin. Sie beschäftigt sich mit Frauenrechten und dem deutsch-deutschen Verhältnis nach 1989. 2019 wurde sie mit dem studentischen Essaypreis der Deutschen Gesellschaft ausgezeichnet.

Mein Name ist Maike Kleeberg

Marie Lucienne Verse

„Aufschlussfiguren besticht durch sein originelles literarisches Spiel unter dem Zeichen einer ökologischen Krise.

Der formal vielfältig ausgerichtete Text greift durch seine mäandernde Struktur die Problematik der ökologischen Zerstörung durch den Braunkohletagebau auf. Ihm gelingt es, durch seine ästhetische Setzung politische Brisanz zu erzeugen, einen widerständigen Blick gegen die Vereinnahmung, eine vielsprachige Untersuchung der Unverhältnismä-ßigkeiten und Täuschungsmanöver, eine Optik, die das persönliche und das große Gesellschaftliche, mehr noch, das Ökosystemische verbindet.“

(*1994 in Darmstadt) ist in Berlin aufgewachsen. Sie studierte Psychologie und seit 2019 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie war Preisträgerin beim Retzhofpreis für junge Literatur (2018) und beim Literaturpreis Prenzlauer Berg (2019). 2020 war sie zu den Tagen der jungen Dramatik eingeladen.

Aufschlussfiguren