Preisträgerin 2020

Kathrin Röggla (*1971 in Salzburg) lebt als Schriftstellerin in Berlin. Sie veröffentlichte viele Prosabände, zuletzt Nachtsendung. Unheimliche Geschichten (2016), Essays wie Die falsche Frage. Über Theater, Politik und die Kunst, das Fürchten nicht zu verlernen (2015), zahlreiche Theatertexte, zuletzt Normalverdiener (2017), und Hörspiele, zuletzt Verfahren (WDR/BR, Januar 2020), das sich mit dem Gerichtsverfahren zu den Verbrechen des NSU auseinandersetzt. Als Kunstschaffende zwischen den Medien produzierte sie auch einen Dokumentarfilm (ZDF 2012), arbeitete installativ und kuratierte eine Ausstellung mit dem Titel Der Elefant im Raum in der Akademie der Künste (2019). Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Arthur-Schnitzler-Preis (2012) oder dem Nestroy für das beste Theaterstück (2011). Kathrin Röggla ist seit 2015 Vize-Präsidentin der Akademie der Künste in Berlin. 

Der Preisträgertext

Kathrin Röggla erhält den WORTMELDUNGEN-Literaturpreis 2020 für ihren Text „Bauernkriegspanorama“. „Der Text setzt die Unübersichtlichkeiten und Verwerfungen unserer Zeit kongenial in literarische Bilder um.“, so die Jury.

Kathrin Röggla „Bauernkriegspanorama“ (PDF)

Die Begründung der Jury zur Verleihung des Literaturpreises an Kathrin Röggla: 
„Die Berliner Autorin Kathrin Röggla wird für ihren herausragenden Kurztext Bauernkriegspanorama mit dem WORTMELDUNGEN-Literaturpreis 2020 ausgezeichnet. Nach Ansicht der Jury gelingt es der Autorin auf so kluge wie leidenschaftliche Weise, ein Bild der deutschen Gegenwart zu zeichnen. Am Gegenstand des monumentalen „Bauernkriegspanoramas“ von Werner Tübke sucht sie in einer fließenden Bewegung die Standorte und Perspektiven, Gruppierungen und Protagonisten eines beunruhigenden Zeitgemäldes auf: den Rechtsruck als Rückwärtsgang, die Grundierung durch Hetze und Menschenhass, das falsche Pathos, das aus der Vergangenheit herüberstrahlt, die Ironie als hilflose Pose, die Leerstellen und blinden Flecken unserer Wahrnehmung. Bauernkriegspanorama setzt die Unübersichtlichkeiten und Verwerfungen unserer Zeit kongenial in literarische Bilder um. Dabei ist die Position des Ich so unsicher wie das Terrain, das es schildert. Der Text ist schon deswegen ein Wagnis, weil er versucht, die vielen widerstrebenden Entwicklungen als eine Gesamtheit abzubilden. Bei aller Düsternis verzichtet die Autorin nicht darauf, die Umrisse eines utopischen Horizonts einzuzeichnen.“