Preisträger*innen

Die Preisträger*innen des zweiten WORTMELDUNGEN-Förderpreises sind Katherina Braschel (Wien), Luca Manuel Kieser (Wien) und Jana Krüger (Berlin/Leipzig). Die Jury vergab den mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Preis zu gleichen Teilen an die drei Autor*innen für ihre Texte zum Thema „Im Schreiben tauschen Tote und Lebende höflich die Plätze. Oder: Kann man dem Tod die kalte Schulter zeigen“.

„Wie gelingt es, dem Tod die kalte Schulter zu zeigen? Die Antworten, die die diesjährigen Förderpreisträger*innen darauf geben, sind sehr lebendig, klug und durchaus unerwartet. Ihre Protagonist*innen setzen sich fabulierend über das Ende hinweg, erweisen sich als Menschenfreunde oder erkennen einfach an, dass Sterben mit dem Leben beginnt, wir jeden Tag viele Mikrotode sterben. Sie alle feiern, dass der Tod eine Schippe schwingt, von der zu springen in Sprache, Phantasie und Haltung bis zum Ende immer gelingen wird.“ (Begründung der Jury)


Katherina Braschel

"Der Text ICD-10 - F63.9 der Autorin Katherina Braschel verblüfft zunächst mit der Recherche, die ihm zugrunde liegt. Dann erstaunt er durch die Genauigkeit, mit der die Erzählerin ihren Körper beschreibt, mit der sie nachvollzieht, dass sie lebt, indem sie verfällt.

Schließlich überrascht Braschel ihre Leserinnen und Leser, indem sie alles Politische, das sich in ihrem Text verbirgt, mit der Schönheit ihrer Sprache überdeckt und so erst hervorhebt, da sie uns zu einem zweiten Lesen zwingt."

Katherina Braschel (*1992 in Salzburg) lebt und arbeitet seit 2011 in Wien. 2019 wurde sie mit dem Rauriser Förderungspreis und dem Exil-Literaturpreis für Autor*Innen mit Deutsch als Erstsprache ausgezeichnet. Seit 2015 ist sie Redaktionsmitglied des Literaturmagazins &radieschen. Sie bezeichnet sich selbst als Feministin.

ICD-10 - F63.9

Luca Manuel Kieser

"In seiner Kurzgeschichte Von einer, die aus Namen ein Geheimnis macht. Rumpelstilzchen? Oder: Die Höhle erzählt Luca Manuel Kieser ein Frauenleben von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis nahe an unsere Gegenwart heran.

Mit situativer Komik, aber einem dahinterliegenden tiefen Ernst verbindet Kieser die individuellen Brüche einer Biografie – Krankheit, Diskriminierung, Schicksalsschläge – mit dem Großen und Ganzen der Zeitgeschichte. Ein klug strukturierter und rasanter Text."

Luca Manuel Kieser (*1992 in Tübingen) studierte von 2010 bis 2014 Philosophie und Theatergeschichte in Heidelberg und Leipzig, anschließend am Institut für Sprachkunst in WienEr unterrichtet Mathematik an einer Projektschule für geflüchtete Jugendliche. 2018 war er Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg.

Von einer, die aus Namen ein Geheimnis macht. Rumpelstilzchen? Oder: Die Höhle

Jana Krüger

"weiterweg ist ein neugieriger, unruhiger Text, der in jedem einzelnen Satz um eine eigene Sprache – die Sprache für eine nicht einzuordnende Erfahrung – kämpft.

Wie Jana Krüger körperliches Erleben, die konkrete Erfahrung eines Ortes, der Insel Malta, und die mediale und politische Hilflosigkeit im Umgang mit dem Sterben im Mittelmeer in ihren Sätzen aufeinanderstoßen lässt, ist von einer klaren und schroffen Poesie und zeigt zugleich mehr von unserer Wirklichkeit als politische Appelle und Analysen es können."

Jana Krüger (*1990 in Aachen) lebt in Berlin und Leipzig. Sie studierte Kulturwissenschaft und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften in Potsdam und Berlin, leitet ein Projekt für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Wilmersdorf und studiert Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

weiterweg