Preisträgerinnen

Die Preisträgerinnen des ersten WORTMELDUNGEN-Förderpreises sind Sophie Baumberg (Frankfurt am Main), Magdalena Kotzurek (Monterey, USA) und Leona Stahlmann (Hamburg). Die Jury vergab den mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Preis zu gleichen Teilen an die drei Autorinnen für ihre Texte zum Thema „Hinter dem Zaun – was bringt Heimat zur Sprache?“.

„Die drei Gewinnerinnentexte nähern sich auf ganz unterschiedliche Weise der ausgeschriebenen Fragestellung: als rasante Milieustudie, als rauschhafte und assoziative Situationsskizzen, als dystopisches Generationenporträt. Gemeinsam ist allen dreien neben der hohen literarischen Qualität die Beschwörung einer beklemmenden Atmosphäre der Verlorenheit.“, so die Begründung der Jury.


Sophie Baumberg

„Sophie Baumbergs Text ist eine rasant geschriebene Milieustudie, in der die Dynamik eines jugendlichen Soziotops ebenso aufscheint wie das Bemühen, mittels Statussymbolen einen gesellschaftlichen Aufstieg kenntlich zu machen. Sophie Baumberg verfügt über einen präzisen Blick und eine authentische Sprache.

Beides trägt dazu bei, die Codes einer Szene zu erfassen und darzustellen. Deutlich wird in Doppel D, ungebräunt auch die Verrohung, die mit den scharfen Distinktionsbemühungen einer Jugendclique gegenüber anderen unterprivilegierten Milieus zum Vorschein kommt. Unter den sozial Randständigen gibt es keine Solidarität, sondern Geringschätzung und Zynismus. Und dahinter scheint eine Sehnsucht nach einem anderen Leben auf.“

 

Sophie Baumberg (* 1996 in Dresden) studiert Ethnologie in Frankfurt am Main. Sie ist Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2017 und 2018, Stipendiatin der Stiftung Niedersachsen 2017 und Preisträgerin beim Treffen Junger Autoren*innen 2017.

„Doppel D, ungebräunt“

Magdalena Kotzurek

„Magdalena Kotzureks Geschichte knallt, flirrt und fesselt. Vor allem dank der vielen bunten oder verhaltenen Farben, die die Autorin genauso unbekümmert überall im Text verstreut wie die beschreibenden Adjektive – und die maßgeblich zu dieser ganz besonderen Atmosphäre beitragen, die Eh, Macarella charakterisiert.

Kotzureks Story bleibt in ihrer Narration schwebend, undefiniert, haltlos, und ist genau deswegen ganz im Heute, das von instabilen Erwerbsbiographien, verschwommenen Zuhause-Begrifflichkeiten und vom dauernden Unterwegs-Sein – ob auf Arbeits- oder Gefühlsmontage – geprägt ist. Heimat ist ein Begriff, der in Eh, Macarella gar nicht mehr vorkommt, weil er für die Protagonistinnen, deren Identitäten unklar und fließend sind, keine Rolle mehr spielt. Heimat ist hier temporär, disloziert, touristisch, irgendwo in der Zukunft oder der Vergangenheit. „Nächstes Jahr? Ziehe ich weiter, erst mal von Insel zu Insel, ich gehe immer schon, bevor es schlimm geworden ist.“ Magdalena Kotzureks fast rauschhafte, assoziative Situationsskizzen erzählen genau deswegen so viel vom heutigen Gefühl des (Nicht-)Bei-sich-seins, weil alte Gewissheiten der Verwurzelung durch neue Unklarheiten des Getriebenseins ersetzt wurden.“

 

Magdalena Kotzurek (*1988 in Tychy, Polen) lebt derzeit in Kalifornien. Sie hat Literatur und Konferenzdolmetschen zwischen Deutschland, Chile, Polen und den USA studiert, arbeitet als Dolmetscherin im Politik- und Kulturbereich, übersetzt Literarisches und untertitelt Opern. Sie veröffentlicht Prosa und Lyrik und war Finalistin des 25. open mike.

„Eh, Macarella“

Leona Stahlmann

„Mutterland von Leona Stahlmann erzählt von der Sehnsucht nach Geborgenheit und Zugehörigkeit. Eine Werbeagentur als neues Zuhause, in dem ein Wir das Gefühl von Heimat inszeniert. Sternenlichtprojektor aus Korea inklusive. Aktuelle Themen wie Arbeitsausbeutung, Plastikmüll und Klimawandel werden bloß angedeutet.

Es gilt, den Schein einer heilen Welt zu wahren. Wozu sonst gibt es Fotofilter? Ein selbstkritischer, sprachlich beeindruckender, origineller und witziger Text.“

 

Leona Stahlmann (* 1988 in Fulda) lebt in Hamburg. Sie arbeitet als Autorin und Texterin. 2017 gewann sie den Hamburger Förderpreis für Literatur, 2018 war sie Stipendiatin der Romanwerkstatt des Literaturforums im Brecht-Haus in Berlin. Ihr Debütroman erscheint 2020.

„Mutterland“